Erfahrungsbericht: Sabine Nölke war Teilnehmerin in der Inplace Transfer GmbH und berichtet über den Nutzen der Beratungs- und Qualifizierungsangebote für ihre eigene Stellensuche

Von Sabine Nölke

Über 23 Jahre war ich beim Zeitungsverlag Westfalen für die Westfälischen Rundschau beschäftigt. Nach meinem Volontariat, das ich ebenfalls bei der Westfälischen Rundschau absolvierte, arbeitete ich als Lokalredakteurin in den Städten Gevelsberg, Ennepetal und Schwelm im Ennepe-Ruhr-Kreis. Nach der Schließung der Lokalredaktionen der Westfalenpost in diesen Städten im Jahre 2009 und der damit verbundenen Bildung einer Gemeinschaftsredaktion unter Federführung der Westfälischen Rundschau arbeitete ich in der Kreisredaktion Schwelm für beide Titel. Im Januar 2013 wurde 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Westfälischen Rundschau mitgeteilt, dass sie ihre Arbeit verlieren würden. Die Redaktion der Westfälischen Rundschau wurde geschlossen. Das war natürlich ein großer Schock für alle. Wie sollte es nun weitergehen? Einige Monate arbeitete ich noch für die Redaktion, bis ich freigestellt wurde.

Bereits im Januar 2013 wurde das Thema Transfergesellschaft vom damaligen Betriebsrat thematisiert, doch es dauerte ja noch eine Weile, bis es grünes Licht für eine Transfergesellschaft gab. Ich verfolgte das zähe Ringen zwischen dem damaligen Betriebsrat und Geschäftsführer um die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Darüber hatten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite ja lange gestritten. Als ich Mitte April hörte, dass die Einrichtung einer Transfergesellschaft zustande käme, war ich froh. Ich bin dem damaligen Betriebsrat noch heute dankbar dafür, dass er so hartnäckig war. Für mich war es relativ schnell klar, dass ich das Angebot und damit jede Chance annehmen würde, wieder in ein Arbeitsverhältnis zu kommen. Arbeit nimmt für mich einen großen und sinngebenden Stellenwert in meinem Leben ein. Wie viele Menschen, so definiere ich mich auch darüber.

Da ich im Laufe meiner Berufsjahre schon einige Male über Transfergesellschaften geschrieben habe, waren mir Bedeutung und Zweck dieses arbeitsmarktpolitischen Instrumentes bekannt. Ich wusste, wie eine Transfergesellschaft funktioniert, doch damals hätte ich nie gedacht, dass ich selbst einmal von Arbeitslosigkeit bedroht sein könnte. Natürlich war ich auch als begleitende Journalistin erschüttert und betroffen von vielen Schicksalen, doch nun spürte ich es am eigenen Leibe. Man hat das Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Die Tatsache, dass man nicht selbstverschuldet entlassen wurde, tröstet einen da wenig. Für mich war relativ schnell klar: Ich will nicht aufgeben und ergreife jede Chance, sei sie noch so winzig.

Sehr gut war, dass wir vor unserem Eintritt in die Transfergesellschaft die Möglichkeit hatten, an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Es war ein sanfter Übergang. Und ich konnte von vornherein eine gewisse Struktur im Tag wahren und „zur Arbeit gehen“.

Ich bin am 1. Januar 2014 in die Transfergesellschaft eingetreten und gehörte ihr drei volle Monate an. Diese Zeit habe ich intensiv genutzt und an Veranstaltungen im Haus Busch zum Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Existenzgründung teilgenommen. Dabei hat mich besonders die Inplace Akademie beeindruckt. Die Auswahl der Gastdozenten, die hautnah und anschaulich aus ihren Arbeitsalltag berichteten, war einfach Spitze. Ebenso das Unterrichtskonzept, welches einen hohen Anteil mit praxisnahen Übungen beinhaltete. Zudem gab es noch so etwas wie einen Alltag und vor allem war man mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen – ein Gefühl von Vertrautheit, Geborgenheit und Stärke.

Ich war mit der Beratung sehr zufrieden und fühlte mich sehr gut aufgehoben und vor allem wertgeschätzt. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Inplace haben sich sehr intensiv um mich gekümmert. Mein besonderer Dank gilt hier vor allem Anja Krenz-Maes und auch Miriam Bonné, die uns „vor Ort“ im Haus Busch in Hagen hervorragend betreuten. In Einzelgesprächen , Coaching und Gruppenarbeit wurden meine Stärken ausgelotet, herausgestellt und vor allem auch benannt und gefördert. Ein ganz neues Gefühl, welches Mut machte und mein Selbstbewusstsein stärkte. Ich habe sogar Neuland an mir entdeckt: So wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass ich Businesspläne schreiben und Geschäftsideen entwickeln kann.

Auch die Hilfe aus der Ferne funktionierte sehr gut. Die Drähte in Hamburg liefen manchmal heiß und die Inplace-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im hohen Norden beantworteten Fragen über Fragen, recherchierten für uns , zum Beispiel nach Weiterbildungsmaßnahmen außerhalb der Inplace-Akademie. So habe ich eine Ausbildung zum Social Media Manager an der Businessakademie Ruhr gemacht. Das war eine harte, aber gute Ausbildung. Man wurde wirklich gefordert, aber die Gewissheit am Ende, dass man den neuen Herausforderungen noch mit über 50 gewachsen ist, ist wirklich Gold wert.

Im Rahmen der „Inplace-Akademie“ im Haus Busch in Hagen wurde den Teilnehmern ein wahres Füllhorn an interessanten Themen und Referenten geboten, was dazu beitrug, sich neu auszurichten und sich selbst auszuprobieren. Denn auch die Teilnehmer, erarbeiteten Themen und hielten Präsentationen. Man konnte selbst Schwerpunkte setzen, wie zum Beispiel in Richtung Existenzgründung – oder wie ich in Richtung Public Relations.

Da uns nicht wie üblicherweise ein Jahr, sondern nur sechs Monate vergönnt waren, in der Transfergesellschaft zu verbleiben, saß das Schreckgespenst Arbeitslosigkeit im Nacken. Die Zeit habe ich in intensiv genutzt, um mich weiterzubilden und mit aufgefrischten Kenntnissen Bewerbungen zu schreiben. Schließlich lag meine letzte Bewerbung ja über 20 Jahre zurück. In der Zwischenzeit hat sich vieles geändert.

Ich war erfolgreich. Seit April 2014 bin ich Unternehmenssprecherin der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr. Ich habe wundervolle Kolleginnen und Kollegen und tolle Chefs, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wertschätzung, Respekt und Loyalität entgegenbringen.

Da ich in der Zeit der Transfergesellschaft viel gelernt habe, gerade im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, konnte ich mich auch im Bewerbungsgespräch erfolgreich präsentieren. Zudem ist mir viel Rüstzeug mitgegeben worden, welches mir in meinem jetzigen Beruf enorm hilft: die Entwicklung von Strategien, die Begleitung und Durchführung von Projekten oder Pressekonferenzen, Krisenkommunikation oder der Umgang mit Indesign oder Photoshop.

Ich habe meine Stelle selbst gefunden, sie ist mir also nicht von Inplace vermittelt oder „besorgt“ worden. Dennoch hat mir Inplace sehr geholfen, mich neu auszurichten, mich neu zu entdecken und Perspektiven zu entwickeln. Als wir die niederschmetternde Nachricht von unserer Entlassung bekamen, fühlte ich mich geradezu würdelos. Doch das war ein Irrtum. Man hatte mir zwar den Arbeitsplatz genommen, doch die Würde nicht. Die kann einem keiner nehmen, aber man muss sich selbst um sie kümmern und auf sie achten. Wenn sie dann doch mal kurzfristig verloren gehen sollte, braucht man eben kompetente Menschen, die helfen, sie wiederzufinden.

Inplace hat meine Stärken und Fähigkeiten freigelegt und sie zum Glänzen gebracht. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Team-Mitgliedern für die kompetente, sensible und ganzheitliche Unterstützung herzlich bedanken. Ich wurde mit allen notwendigen Hilfsmitteln ausgestattet, mir wurde der Weg geebnet, eine Brücke gebaut – doch über die Brücke gehen, das muss man schon selber.