Persönlichkeitsentwicklung: Scheitern als Baustein der persönlichen Entwicklung

„Ich bin gescheitert“, ist kein Satz, den wir gerne sagen. Misserfolge sind ein negatives Erlebnis. Wir haben unser Ziel nicht erreicht, fühlen uns schlecht und suchen nach Gründen. Lag es an uns? Lag es an anderen? An äußeren Umständen, dem Markt oder dem Kollegen? Meistens nehmen wir im Moment des Misserfolges an, dass uns mindestens eine Mitschuld trifft. Und mit eigenen Fehlern können wir bei anderen schlecht punkten, weshalb wir sie nach außen gerne schweigend übergehen.

Diese generelle Annahme ist im Begriff, sich zu wandeln. Das Tabu, dass über das eigene Scheitern nicht gesprochen wird, beginnt zu bröckeln. Ob es endgültig fällt, ob ein ordentliches Scheitern irgendwann zum positiven Image eines Menschen gehört, wie früher das Auto oder heute das iPhone, ist aber noch längst nicht sicher.

Gescheitert wird immer und überall, meist zum Glück im Kleinen und ohne Folgen für Leib und Leben. Erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben das Scheitern von Unternehmen (sei es kurz nach der Gründung oder in Verkennung wesentlicher Marktveränderungen) oder, auf der individuellen Ebene, der Verlust des Arbeitsplatzes.

Wer seinen Arbeitsplatz verliert, erlebt Momente der Enttäuschung, der Scham, oder der Unterlegenheit. Sich aus dem Tief wieder herauszuarbeiten, gelingt nicht alleine. Ohne Hilfe von Familie, Freunden, anderen Menschen in ähnlicher Situation oder externen Fachleuten droht eine Negativ-Spirale, in der das Scheitern zum Muster wird.

Erfolglose Unternehmensgründer erleben dasselbe. Sie sind es nun, die weltweit auf Veranstaltungen mit dem Titel „Fuckup Nights“ (was schon ein etwas drastischerer Begriff für das Scheitern ist) auftreten, um über ihre negativen Erfahrungen positiv zu berichten. Aus dem Umfeld gescheiterter Gründer kommt die Botschaft: finde den Fehler! Finde heraus, warum die Sache schief gegangen ist. Ohne das Verständnis des Fehlers wird er wieder passieren.

Ohne Weiteres ist dieses einfache Verfahren auf jedes Scheitern übertragbar. Richtig falsch scheitert nur, wer so fest ans Gelingen glaubt, dass er jedes Risiko ausblendet. Wer sein Scheitern mit anderen teilt, erntet Respekt und erfährt, dass auch andere gescheitert sind. In der geteilten Erfahrung des Misserfolgs liegen Chancen für alle.