Jobsharing – Ideen mal zwei

Jobsharing

Eine Stelle mit zwei Mitarbeitern zu besetzen ist modern und flexibel, inhaltlich und auch finanziell interessant. Unternehmen bekommen mehr Ideen, mehr Erfahrungen und Energie, als mit nur einem Kandidaten. Jobsharing heißt das Modell, in dem sich zwei Teilzeitkräfte eine Stelle teilen. Sie tragen gemeinsam Verantwortung, arbeiten als Team und teilen sich Aufgaben und Arbeitszeiten eigenständig unter sich auf. Das Modell ist für Führungskräfte wie auch für alle anderen Mitarbeiter im Unternehmen denkbar. Es bietet größtmögliche Flexibilität, insbesondere für Mütter und Väter. Es klingt eigentlich ganz einfach, doch wie funktioniert das in der Wirklichkeit, wie kann ein Unternehmen Jobsharing erfolgreich einsetzen und was sollte es unbedingt dabei beachten?

 

Die Vorteile liegen auf der Hand:

Vier Augen sehen mehr als zwei. Das Unternehmen kann in der Summe auf mehr Kompetenz, zwei Blickwinkel und damit in der Regel auf mehr Kreativität und Inspiration zurückgreifen. Zudem ist die Urlaubs- und Krankheitsvertretung geregelt. Die Aufgaben beider Mitarbeiter sind zwar klar voneinander getrennt, dennoch kennt jeder die Themen und Projekte des anderen und kann sie nahtlos bearbeiten. Für die Mitarbeiter selber verbessern sich die Work-Life-Balance und damit auch die Motivation. Das ist insbesondere für Mütter und Väter, die nach ihrer Elternzeit ihre Position nicht aufgeben wollen, sehr wichtig. Der Firma wiederum bleiben hoch qualifizierte Mitarbeiter erhalten. Die bereits gesammelten Erfahrungen und das gewonnene Know how verbleiben im Unternehmen. Aber auch bei der Altersteilzeit kann Jobsharing ein erfolgreiches Modell sein, um z.B. einen Nachfolger über einen längeren Zeitraum hinweg einzuarbeiten. Wenn das Jobsharing klappt, dann spart das Unternehmen langfristig auch Kosten. Fällt zum Beispiel ein in Vollzeit arbeitender Mitarbeiter langfristig aus, ist das ein Totalausfall. Beim Jobsharing steht immer noch einer der beiden Mitarbeiter zur Verfügung, der den nächsten anlernen und Wissen weitergeben kann.

Was sollte Unternehmen unbedingt beachten:

Sympathie

Die persönliche Ebene muss stimmen. Die Kollegen müssen nicht beste Freunde sein, sich aber auf jeden Fall sympathisch sein. Ein Tandem kann nur funktionieren, wenn beide an einem Strang ziehen, beide ein Ziel verfolgen und ähnliche Arbeitseinstellungen haben. Sobald ein Mitarbeiter mehr will als der andere, wird es schwierig. Höchste Priorität hat hier gegenseitiges Vertrauen, Loyalität und Respekt genauso wie Motivation und Werte. Deshalb ist es oft auch besser, Teams nicht einfach so zusammenzustellen, sondern lieber abzuwarten, bis sich zwei Bewerber zusammen als Team bewerben. Die Bewerber kennen sich im Vorwege, haben sich die Arbeitsteilung vorher überlegt und wissen, ob sie sich sympathisch sind. Es gibt aber auch erfolgreiche Modelle, in denen Bewerber zu Teams zusammengestellt werden und sich im Sinne des Jobsharings die Arbeit teilen.

Arbeitszeiten

Beim Jobsharing ist grundsätzlich alles möglich. Es gibt Modelle wie 50/50 oder 70/30 oder 60/40. Einige Jobsharer arbeiten wöchentlich drei Tage, davon einen Tag im Home Office, andere wiederum arbeiten drei Monate am Stück. Der Flexibilität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass sich die Mitarbeiter abstimmen und die Bedürfnisse beider Berücksichtigung finden. Die Arbeitszeiten müssen zudem den anderen Mitarbeitern klar kommuniziert werden, damit jeder weiß, wer wann im Büro ist.

Aufgabenverteilung

Das A und O beim Jobsharing ist die Aufgabenverteilung. Beide Arbeitnehmer müssen genau wissen, wer für welchen Aufgabenbereich zuständig ist. Sonst wird es schnell chaotisch. Darüber müssen auch die anderen Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt werden.

Informationsaustausch

Die Kommunikation im Team wie auch der Kommunikationsaustausch zwischen dem Team und dem Vorgesetzten muss funktionieren. Bespricht der Vorgesetzte beispielsweise etwas mit einem Teammitglied, muss dies auch dem anderen Teammitglied mitgeteilt werden. Stimmen die Kommunikationswege nicht, droht ein Scheitern des Teams. Sehr wichtig sind auch regelmäßige, persönliche Absprachen und Übergaben. Auch wenn E-Mails und Telefonate sehr hilfreich sind, ersetzt es dennoch kein persönliches Gespräch. Deshalb ist es sinnvoll, auch Überschneidungen in den Arbeitszeiten miteinzuplanen.

Vertrag

In der konkreten Umsetzung erhält jeder Jobsharer einen separaten Arbeitsvertrag mit Stunden- und Gehaltsanpassungen wie bei klassischen Teilzeit-Arbeitsverträgen. Hinzu können individuelle Zusatzregelungen, wie z.B. Vertretungsregelungen oder die Aufteilung von Boni kommen. Mit dem Urlaubsanspruch und Urlaubsgeld verhält es sich genau wie bei Teilzeitbeschäftigten, ebenso bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Beide Jobsharer haben hier jeweils anteiligen Anspruch entlang des vereinbarten Arbeitsplans. Wenn einer der Jobsharer sich einen neuen Arbeitsplatz sucht und das Unternehmen verlässt, bleibt der Arbeitsvertrag des anderen davon unberührt.

In Deutschland ist Jobharing noch nicht weit verbreitet, doch immer mehr Unternehmen interessieren sich dafür. Laut “Robert Half survey 2014” bieten etwa 70 Prozent aller Firmen in Deutschland flexible Arbeitszeitmodelle an, aber nur etwa 15 Prozent erlauben Jobsharing. Allerdings bleiben die meisten Unternehmen, die es einmal ausprobiert haben, auch dabei. Spitzenreiter beim Jobsharing ist Großbritannien: Fast die Hälfte (48%) der britischen Arbeitgeber gestatten diese Option. In Belgien und den Niederlanden ist dieses Modell bei fast einem Viertel (23%) der Unternehmen verbreitet. Auch in Österreich lassen noch 22% der Firmen das Teilen einer Stelle zu; in der Schweiz und in Frankreich sind es jeweils 19%.

Seit 2013 gibt es die Jobsharing-Plattform Tandemploy. Die Plattform bringt nicht nur Menschen zusammen, die sich als Team zusammenschließen möchten, sondern ermöglicht auch den Kontakt zu Unternehmen, die dem Modell offen gegenüber stehen. Eine Übersichtsseite listet Arbeitgeber, die offen für das neue Modell sind, und unter „Tandempartner finden“ stellen sich die Teilungswilligen mit ihrem jeweiligen Profil vor.

Zur Jobsharing-Plattform Tandemploy..