Die digitale Jobsuche – Standard vs. Individualität

Die fortschreitende Digitalisierung hat auch die Jobsuche und den Bewerbungsprozess stark verändert. Die Papierbewerbung rückt immer mehr in den Hintergrund. Die digitalen Formen wie Formularbewerbung oder One-Click-Bewerbung vereinfachen das Bewerbungsverfahren erheblich, nehmen der Bewerbung aber auch ihre Individualität. Jobsuchende stehen vor der Frage, wie die optimale Bewerbung aussieht und was die Unternehmen erwarten.

Das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg hat in Zusammenarbeit mit der German Graduate School of Management and Law, Heilbronn, in seiner aktuellen Studie „Bewerbung der Zukunft“ circa 1.000 Unternehmen sowie über 4.800 Stellensuchende und Karriereinteressierte aus Deutschland zu den Bewerbungsformen der Zukunft befragt. Dabei hat sich herausgestellt, dass etwa die Hälfte der Bewerbungen per Formularbewerbung eingehen, 36 Prozent per E-Mail und 13 Prozent per Post. Damit ist die Formularbewerbung zum letzten Jahr um 17 Prozent gestiegen.

Laut der Studie haben Unternehmen und Stellensuchende unterschiedliche Vorstellungen vom Bewerbungsprozess, insbesondere beim Bewerbungseingang. 75 Prozent der Unternehmen bevorzugen eine Formularbewerbung, 23 Prozent die E-Mail-Bewerbung und gerade einmal ein Prozent die Bewerbung per Post.

Die Antworten der Stellensuchenden zeigen aber, dass sie nur ungern Formulare ausfüllen. Nur 7 Prozent möchten sich per Formular bewerben. Für 6 Prozent ist diese Bewerbungsart sogar ein Grund, sich nicht zu bewerben. Am liebsten bewerben sich die Jobsuchenden per E-Mail (83 Prozent).

Die Bewerbungsformen der Zukunft

Formulare sehr beliebt bei Unternehmen

Formularbasierte Bewerbungen zeichnen sich dadurch aus, dass der Bewerber sein Profil in eine vordefinierte Maske eingibt. Diese kann sich auf der unternehmenseigenen Website befinden oder auf den Seiten externer Internet-Stellenbörsen. In beiden Fällen bearbeitet und verwaltet der Personalverantwortliche die eingehenden Bewerbungen in einem Bewerbermanagement-System. Unternehmen bevorzugen diese leicht zu verarbeitenden Formularbewerbungen, die dank standardisiertem Prozess den geringsten Zeitaufwand erfordern.

Gleichzeitig können Unternehmen so ihren Bewerbungsprozess steuern. Unternehmen können ganz gezielt Informationen abfragen und verfügen über einen Pool an Kandidaten, auf den sie datenbankgestützt zugreifen können. Das bietet auch die Chance, den Rekrutierungsprozess zu beschleunigen.

Bewerber hingegen sehen die Formularbewerbung noch eher kritisch. Kompliziert, benutzerunfreundlich und zeitaufwendig sind häufig Begriffe, die im Zusammenhang mit Bewerberportalen fallen. Es wird bemängelt, dass das System während der Dateneingabe abstürzt, dass die Daten oft einzeln eingegeben werden müssen und entsprechende Eingabefelder für Zusatzqualifikationen fehlen. Außerdem biete es wenig Raum für Individualität. Gerade in kreativen Berufen kann das ein entscheidendes Kriterium sein.

Kurzprofile bei Bewerbern im Fokus

Mit Kurzprofilen stellen sich Jobsuchende in Karrierenetzwerken und Online-Jobbörsen mit den wichtigsten Daten zu ihrer Person vor. Das Profil beinhaltet das Bewerbungsfoto, Lebenslauf sowie besondere Fähigkeiten und Kenntnisse. Unternehmen können sich so schnell einen kurzen Überblick über die Person verschaffen.

Die Studie hat ergeben, dass Kurzprofile im Vergleich zum Vorjahr viel wichtiger geworden sind. Die Stellensuchenden und die Unternehmen gehen davon aus, dass sich dieser Trend noch weiter fortsetzen wird.  Zwar spielen Kurzprofile derzeit nur für wenige Unternehmen eine Rolle im Bewerbungsverfahren, das wird sich aber zukünftig ändern. Gut die Hälfte der Stellensuchenden gab an, dass ihnen Kurzprofile in Karrierenetzwerken und Online-Stellenbörsen persönlich wichtig sind, um sich von den anderen Bewerbern abzugrenzen.

Infografiken und Bewerbungsvideos noch nicht relevant

Eine weitere Möglichkeit zur Visualisierung von Bewerbungen stellen Bewerbungsvideos und Infografiken dar, zum Beispiel mit dem Web-Dienst ResumUP.com (mit ResumUP.com können Sie Ihren Lebenslauf in grafisch ansprechender Form darstellen). Knapp 20 Prozent der Bewerber gaben an, dass Infografiken als Ersatz für Anschreiben und Lebenslauf zukünftig wichtig sein werden. Ebenso denken 2 von 10 Stellensuchenden, dass Bewerbungsvideos ein wichtiger Bestandteil von Bewerbungen sein werden.

Bei Unternehmen spielen Bewerbervideos jedoch noch kaum eine Rolle. Lediglich ein Prozent der befragten Unternehmen finden Bewerbervideos wichtig. Für die Zukunft sehen sie allerdings eine steigende Bedeutung von Bewerbervideos.

One-Click-Bewerbung

Bei der One-Click-Bewerbung können Stellensuchende per Mausklick ihr aktuelles Bewerberprofil aus einem Karrierenetzwerk oder einer Lebenslaufdatenbank in die Datenbank des Wunscharbeitgebers importieren. Jobsuchende können sich ohne viel Aufwand schnell und auch mobil bewerben. Das beschleunigt den Bewerbungsprozess enorm, für beide Seiten.

Unternehmen sehen die One-Click-Bewerbung noch kritisch, fehlt Ihnen doch die Individualität und Informationsdichte. Zudem befürchten Unternehmen eine Bewerberflut. Allerdings gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die One-Click-Bewerbung in Zukunft deutlich wichtiger sein wird.

Ganz anders als bei den Stellensuchenden. Bei 29 Prozent spielen die One-Click-Bewerbungen schon heute eine wichtige Rolle, doch nur 38 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die One-Click-Bewerbung auch in Zukunft relevant sein wird.

Unternehmen wie auch Stellensuchende sind sich darüber einig, dass die Papierbewerbung mehr und mehr an Bedeutung verliert. Allerdings gibt es starke Unterschiede in der Präferenz: Unternehmen tendieren zur Formularbewerbung, sie wollen den Bewerbungsprozess effizient durchführen, d.h. viele Bewerbungen in kurzer Zeit sichten und bewerten.

Bewerber hingegen setzen auf Individualität, sie wollen auffallen und nicht eine von vielen Bewerbungen sein. Dennoch sollten Bewerber dem angebotenen Bewerbungsprozess der Unternehmen folgen. Formularbewerbungen sollten nicht abschrecken oder gar ein Grund sein, sich nicht für den Traum-Job zu bewerben.

Generell ist es für Stellensuchende ratsam, sich mit Karrierenetzwerken vertraut zu machen, allen voran XING. Bewerber sollten diese für gezielte Eigenwerbung nutzen. Eine Variante ist zum Beispiel, eine Nachricht an die Personalabteilung zu senden mit der Bitte, sich das XING-Profil einmal anzusehen und mit der Frage, ob eine Bewerbung interessant sei.

Weitere Details zur Studie finden Sie hier: www.uni-bamberg.de/isdl/recruitingtrends2016