Fehlzeitenmanagement: So senken Sie die Krankenquote

Fehlzeitenmanagement So senken Sie die KrankenquoteDie Digitalisierung, Rationalisierung und Flexibilisierung betrieblicher Prozesse sowie massiver Zeitdruck bei hohem Qualitätsanspruch prägen den Arbeitsalltag vieler Menschen. Gerade in jüngster Zeit ist eine massive Zunahme von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sowie den daraus resultierenden Gesundheitsproblemen festzustellen. Fehlzeiten sind für alle ärgerlich. Die Produktivität sinkt, das Team und der Betroffene leiden, Ziele können nicht erreicht werden. Das gesamte Unternehmen nimmt Schaden. Das Thema Krankenstand beschäftigt jede Führungskraft. Denn selbst kleinere Unternehmen zahlen hohe Personalkosten für kranke Mitarbeiter. Laut des Fehlzeiten-Reports 2015 der AOK fehlen Arbeitnehmer im Durchschnitt 12 Tage im Jahr. Bei einem Mitarbeiter, dessen Personalkosten inklusive Sozialversicherungsbeiträge beispielsweise jährlich 50.000 EUR betragen, fallen knapp 137 Euro pro Krankheitstag an.

Berechnung:

50.000 Euro: 365 Tage x 12 Tage= 1643,83 Euro

1643,83 Euro: 12 Tage= 136,98 Euro pro Krankheitstag

Eine Senkung der Krankenquote bedeutet also zum einen eine erhebliche Kostensenkung, zum anderen sind weniger Arbeitnehmer in der „inneren Kündigung“, sie fühlen sich dem Unternehmen mehr zugehörig, leisten mehr und fehlen weniger. Doch was können Unternehmen tun, um das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern?

Strategien zur Senkung der Krankenquote:

1) Fehlzeiten analysieren

Der Krankenstand kann als Indikator für die Arbeitszufriedenheit dienen. Als Führungskraft sollten Sie daher immer die Fehlzeiten im Auge haben. Gerade in größeren Unternehmen ist es unerlässlich, die Fehlzeiten zu beobachten und bei einer Zunahme genau zu analysieren, in welchen Bereichen (Abteilungen, Filialen…) es zu Fehlzeiten kommt und warum.  Dabei ist wichtig, ob es strukturelle Veränderungen gab, ob sich etwas an den Arbeitsbedingungen verändert hat oder ob es Mitarbeiter gibt, die auffällig oft abwesend waren. Um einen Trend zu erkennen, sollten Sie Vergleichszeiträume heranziehen. Nur wenn Sie die genauen Ursachen kennen, besteht die Möglichkeit, die Fehlzeiten zu reduzieren.

2) Arbeitsplatz optimieren

Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter. Der richtige Stuhl, der passende Tisch und die angemessene Raumeinteilung senken nicht nur den Krankenstand, sondern fördern auch die Produktivität. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Licht und eine regelmäßige Frischluftzufuhr. Ein angenehmes Raumklima und eine möglichst geringe Lärmbelästigung sind zudem Faktoren, die Stress reduzieren. Auch Pflanzen tragen zu einer guten Arbeitsatmosphäre bei.

3) Flexible Arbeitszeiten

Feste Arbeitszeiten reglementieren die Work-Life-Balance und der Mitarbeiter fühlt sich eingeschränkt. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern flexiblere Arbeitszeiten an. Wenn es die Arbeitsabläufe erlauben, wäre die Einführung von Gleitzeit ein möglicher Schritt. Eventuell können Sie auch Home-Office-Regelungen ermöglichen. Der Mitarbeiter erfährt dadurch mehr Freiraum, dies reduziert Stress und kann die Zufriedenheit steigern. Auch die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann Mitarbeiter auf Dauer motivieren. Dabei sind es nicht mehr nur Frauen, die versuchen, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, sondern auch immer mehr Männer und gerade qualifizierte Fach- und Führungskräfte legen Wert darauf, sich am Familienleben aktiv zu beteiligen.

4) Inhaltliche Freiräume

Geben Sie Ihren Mitarbeitern mehr inhaltliche Freiheiten, schaffen Sie Handlungsfreiräume, damit diese engagiert und motiviert arbeiten. Beziehen Sie die Ideen Ihrer Mitarbeiter mit ein.

5) Mehr Weiterbildungsmaßnahmen

Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten auf. Die Teilnahme an Seminaren zur Erweiterung der fachlichen Kompetenz und sozialer Fähigkeiten demonstriert die Wertschätzung des Mitarbeiters. Der Mitarbeiter fühlt sich ernst genommen und hat das Gefühl, dem Unternehmen wichtig zu sein.

6) Sorgfältige Mitarbeiterauswahl

Legen Sie beim Rekrutierungsprozess nicht nur Wert auf die fachlichen Voraussetzungen, sondern haben Sie auch immer die Motivation und das Engagement der potentiellen Mitarbeiter im Blick. Passt der Mitarbeiter auch mit seinen sozialen Kompetenzen und Werten ins Team. Das gilt natürlich auch bei der Auswahl eines Projektteams, bei der Überlegung, für welche Aufgabe der Mitarbeiter am besten geeignet ist.

7) Mitarbeiter ihren Stärken entsprechend einsetzen

Zu den grundlegenden Aufgaben einer Führungskraft gehört es, die Aufgaben zu definieren und zu delegieren. Dabei ist es wichtig, die jeweiligen Stärken ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen und geeignete Mitarbeiter für jede Aufgabe auszuwählen. Zur Aufgabe dürfen nicht zu viele Anforderungen gehören. Der Zeit- und Termindruck sollte durch angemessene Zielabsprachen reduziert werden. Die Mitarbeiter sollen einerseits nicht überfordert, andererseits aber auch gefordert werden. Letzteres regt die Selbstentwicklung an und ermöglicht die persönliche Entfaltung. Um die Stärken der Mitarbeiter zu ermitteln, gibt es mehrere Ansatzpunkte wie zum Beispiel der Lebenslauf, ein persönliches Gespräch und das Feedback von Teammitgliedern.

8) Mehr kommunizieren, Mitarbeiterpartizipation

Sprechen Sie regelmäßig mit Ihren Mitarbeitern. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter umfassend und zeitnah über betriebliche Belange und Veränderungen informiert sind. Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter bei Prozessen. Schaffen Sie ein Vertrauensklima. Nutzen Sie auch Mitarbeiterumfragen, gehen Sie mal durchs Haus und fragen sie nach, was Ihre Mitarbeiter bewegt.

9) Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement hat sich gerade in Großbetrieben etabliert und ist auch in mittleren Betrieben gut umsetzbar. Für kleinere Betriebe mit wenigen Beschäftigten braucht man sehr praxisnahe, einfache Lösungen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem wöchentlichen Obsttag? Jede Woche steht ein gut gefüllter Obstkorb für alle bereit. Bieten Sie auch kostenfreies Wasser und gesunde Getränke an.

Unterstützen Sie den Zusammenhalt des Teams, in dem Sie zum Beispiel gemeinsame Sportaktionen organisieren, wie die Teilnahme an einem Spendenlauf. Überraschen Sie Ihre Belegschaft bei besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Jubiläen mit Gesundheitsgutscheinen, wie einen Kurs-/Wellness-Gutschein im benachbarten Fitnessstudio oder einer Saisonkarte für das hiesige Schwimmbad.

10) Richtig führen ist gesundheitsrelevant

Die Führungskraft hat den größten Einfluss auf die Motivation des Mitarbeiters. Es ist wichtig, dass die Führungskraft den Mitarbeitern ein Gefühl der Wertschätzung vermittelt. Führungskräfte sollten Konflikte schnell erkennen und konstruktiv zur Lösung beitragen können. Organisieren Sie regelmäßige Schulungen zu diesem Thema.

Informieren Sie sich hierzu auch bei Ihrer Krankenkasse. Viele Krankenkassen bieten im Rahmen der gesetzlichen Grundlage (§ 20 SGB V) professionelle Beratung bei der Gestaltung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und finanzielle Unterstützung bei der Durchführung an.

Eigentlich nichts Neues: Zufriedene Mitarbeiter sind gesunde Mitarbeiter. Mitarbeiter wünschen sich eine transparente und ehrliche Kommunikation, mehr Feedback von Ihrer Führungskraft und auch Lob für gute Arbeit. Fehlzeitenmanagement ist also eine klare Führungsaufgabe.

Stärken Sie das Wir-Gefühl Ihrer Mitarbeiter und finden Sie heraus, was Ihre Mitarbeiter wirklich motiviert. Nehmen Sie den Menschen wahr, nicht nur den Mitarbeiter. So tragen Sie zur Gesundheit und Motivation Ihrer Mitarbeiter bei und reduzieren Fehlzeiten.