Bewerber fürchten das Anschreiben

87 Prozent der Personaler erwarten ein Anschreiben, so ein Ergebnis der “Indeed-Bewerbungsstudie 2016”. Für 69 Prozent der Personalverantwortlichen sei dies immer noch der beste Weg zu beurteilen, ob sich ein Bewerber gut ausdrücken kann. Das Anschreiben liefere mehr Informationen über den Bewerber, sei ein Beleg für das Bemühen des Bewerbers und gehöre einfach zu einer Bewerbung dazu, so urteilen Personaler über das Anschreiben. Jeder zweite Bewerber hingegen stuft das Anschreiben als den „nervenraubendsten“ Teil einer Bewerbung ein.

Mittlerweile gibt es aber auch Unternehmen, die ganz auf das Anschreiben verzichten. Beim Versandhändler Otto zum Beispiel können Bewerber künftig eine Motivationsfrage beantworten und so eine persönliche Note in die Bewerbung einfließen lassen.

Wie schafft man es nun aber, auf einer Seite den potentiell neuen Arbeitgeber von sich zu überzeugen?

Hier ein paar Anregungen für Ihr Bewerbungsanschreiben:

Der Ansprechpartner

Achten Sie darauf, dass die Bewerbung an den richtigen Ansprechpartner adressiert ist. Wird in der Stellenanzeige kein Ansprechpartner genannt, rufen Sie beim Unternehmen an und fragen, wer die Bewerbung bearbeitet.

Der Aufbau

Analysieren Sie die Stellenanzeige genau und markieren Sie sich die wichtigsten Fakten. Vergessen Sie nicht den Betreff, aber ohne „Betreff“ zu schreiben. Machen Sie im Betreff deutlich, um welche Stelle es sich handelt. Die Anrede im Anschreiben sollte immer klassisch gehalten werden mit „Sehr geehrter Herr und sehr geehrte Frau“. Anreden wie „Lieber Herr“ und „Guten Tag“ sind unangemessen. Das gilt übrigens für alle Branchen.

Stellen Sie in der Einleitung einen Bezug zwischen Ihnen und der ausgeschriebenen Stelle her. Im Hauptteil gilt es, die Tätigkeiten und Fähigkeiten zu betonen, die Sie besonders für die Stelle qualifizieren. Schreiben Sie keine Nacherzählung Ihres Lebenslaufes. Formulieren Sie den Abschluss positiv. Wenn gefordert nennen Sie auch den frühestmöglichen Eintrittstermin und die Gehaltsvorstellungen.

Üblicherweise ist das Anschreiben so aufgebaut:

  1. Einstieg – floskelfrei
  2. Grund, Motivation für die Arbeitssuche bzw. den Stellenwechsel
  3. Fachliche Qualifikation – mit Bezug zum neuen Job
  4. Berufliche Erfolge – Aufgaben, Projekte
  5. Sozialkompetenz/Soft Skills – Beispiele
  6. Führungserfahrung – Referenzen
  7. Gehaltsvorstellung – nur wenn gefordert
  8. Möglicher Eintrittstermin
  9. Schlusssatz – und danach die Unterschrift

Formulierungen

Das Anschreiben sollte selbstsicher, aber nicht überheblich formuliert sein. Vermeiden Sie inhaltsleere Floskeln, Füllwörter, Relativierungen und Übertreibungen. Versuchen Sie sich selbst realistisch einzuschätzen. Personaler merken sofort, wenn etwas aufgebauscht wird. Formulieren Sie kurze Sätze, ausgehend von der Stellenbeschreibung. Kopieren Sie dabei aber nicht die Formulierungen aus der Stellenanzeige.

Wenn Ihnen die Formulierungen schwer fallen, denken Sie beim Schreiben an eine Person, die sie mögen. Sprechen Sie diese Person an. Dadurch verlieren Sie an Distanz und sind authentisch.

Länge und Vollständigkeit

Das vollständige Anschreiben sollte auf eine DIN-A4-Seite passen. Zwei oder drei Seiten schrecken die meisten Personaler ab. Sie haben schlichtweg nicht die Zeit, längere Anschreiben zu sichten.

Korrektur lesen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Drucken Sie sich das Anschreiben aus und lesen Sie es mehrmals hinsichtlich verschiedener Faktoren durch. Überprüfen Sie Ihre Botschaft, korrigieren Sie dann Rechtschreibung und Grammatik. Legen Sie dabei vor allem Wert auf die Tipp- und Kommafehler. Achten Sie besonders auf die richtige Schreibweise des Unternehmens und des Ansprechpartners, ob das Datum aktuell ist und das Anschreiben auch unterschrieben wurde.

Lassen Sie das Anschreiben von einer Vertrauensperson Korrektur lesen. Hierbei sollte die Person insbesondere auf Rechtschreibung, Zeichensetzung als auch auf die Argumentation achten.

Das Anschreiben muss nicht besonders kreativ sein. Es sollte aber herausstellen, warum der Bewerber zum Unternehmen passt, also welche Fähigkeiten zu den angegebenen Aufgaben passen. Setzen Sie auf Ihren gesammelten Erfahrungsschatz. Bleiben Sie dabei immer authentisch.