Jobwechsel oder die Macht der Gewohnheit

shutterstock_141318316Viele deutsche Arbeitnehmer sind schon seit Jahren unzufrieden im Job und denken immer mal wieder darüber nach, zu kündigen. Aber nur ein Bruchteil entscheidet sich wirklich für den Arbeitsplatzwechsel. Warum ist diese Entscheidung so schwierig?

In einer Forsa-Umfrage vom Januar 2016, die XING in Auftrag gegeben hat, gaben 35 Prozent der Befragten an, den Job noch in diesem Jahr wechseln zu wollen. Laut einer Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung entscheiden sich in Deutschland dann aber doch nur 3,5 Prozent der Arbeitnehmer für einen Wechsel.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Da stellt sich die Frage, ob die neue Stelle wirklich besser ist, ob man den Ansprüchen des neuen Arbeitgebers überhaupt genügen kann und am Ende der Probezeit vielleicht wieder Schluss ist. Und was sagen bloß die Eltern, Freunde und Kollegen? Man ist sich unsicher, das Jammern ist halbherzig und manchmal will man einfach nur beruhigt werden. So schlecht geht es einem ja dann doch nicht.

Der Jobwechsel ist eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt. Sich auf etwas Neues einstellen, kostet sehr viel Energie. Sich beruflich zu verändern, bedeutet auch das gewohnte Umfeld aufzugeben, ein Stück Sicherheit, ein zumeist gutes Gehalt und ein gewisses Standing. Man hat sich mit den Kollegen arrangiert, viele Kollegen sind zu Freunden geworden, man ist beliebt und will diesen Status Quo nicht so leicht aufgeben. Wer weiß denn schon, wie es woanders ist. Viele Arbeitnehmer stehen vor einem Zielkonflikt: Sie wollen die Sicherheit des jetzigen Jobs und den Wechsel.

Die Entscheidung ist sehr emotional. Die Vor- und Nachteile werden eruiert. Bei 98% der Beschäftigten steht die Arbeitsatmosphäre dabei an erster Stelle, gefolgt vom Verhalten des Chefs und an dritter Stelle das Gehalt.

Der Hirnforscher Gerhard Roth fand heraus, dass nur 15 Prozent der Menschen die Veränderung mehr schätzen als die Konstanz. Das sei zum Teil genetisch bedingt, zum Teil aber auch anerzogen. Denn nach Roth sei die Entscheidungsfreudigkeit eines Menschen auch immer ein Teil des Elternhauses. Schon in der Kindheit würde man den Umgang mit Veränderungen anlegen. Sind die Eltern flexibel, diskutieren Entscheidungen und geben nicht alles streng vor, ist die Chance größer, dass das Kind später mehr Lust auf das Neue hat.

Was kann bei der Entscheidungsfindung helfen?

Die fünf wichtigsten Faktoren für eine gute Entscheidung:

 

1. Eigene Ziele definieren

Bleiben Sie sich selber treu. Was ist Ihnen wirklich wichtig, welche Ziele haben Sie? Es geht nicht darum, was andere von Ihnen erwarten. Sie sind Ihr Chef und Sie entscheiden. Werden Sie sich bewusst, was Ihnen am jetzigen Job gefällt und was sich ändern soll?

2. Informationen sammeln

Um eine Entscheidung zu treffen, eignet sich eine Pro- und Contra-Liste, z.B. das Einkommen, Ihre bisherigen Erfahrungen, die Nähe zum Wohnort, das Interesse für ein Produkt oder eine Branche. Gehen Sie alle Alternativen durch und verteilen Sie Punkte von 1 (wenig attraktiv) bis 4 (sehr attraktiv). So füttern Sie Ihren Verstand.

3. Auf das Bauchgefühl hören

Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Quälen Sie sich nicht zu lange mit der Was-wäre-Wenn-Frage. Sicherlich ist es wichtig, möglichst viele Informationen zusammenzutragen, um eine Entscheidung zu treffen. Doch alle Informationen gibt es nicht, ein Rest-Risiko bleibt immer.

4. Darüber schlafen

Es mag zwar eine Floskel sein, aber Wissenschaftler haben es bewiesen. Im Schlaf sortieren wir unseren Gedanken, Eindrücke und Geschehnisse des Tages. Es wird unterschieden in wichtig und unwichtig – und das ganz ohne Druck. Die besten Ideen und Lösungen fallen uns ein, wenn wir gerade nichts tun, nichts denken oder eben schlafen.

5. In Ruhe entscheiden

Treffen Sie die Entscheidung nicht unter Stress. Schaffen Sie für sich einen Rahmen, der Ihnen ermöglicht, in Ruhe eine Entscheidung zu treffen. Wenn Ihnen das schwer fällt, dann schauen Sie zum Beispiel mal von außen auf sich und Ihre Entscheidung und geben der Person einen Rat.

Am Ende der Entscheidungsfindung ist es am Wichtigsten, dass Sie eine bewusste Entscheidung treffen. Eine bewusste Entscheidung kann sein, Ihre aktuelle Situation im Unternehmen zu verbessern, die Arbeitsorganisation zu optimieren oder einen Neuanfang zu planen. Trauen Sie sich einen Schritt heraus aus Ihrer Komfortzone, denn nur so erweitern Sie Ihren Horizont und entwickeln sich weiter.