Existenzgründung und Selbständigkeit: Interview mit Katharina Schacht

k_schachtWer sich für die Selbständigkeit entscheidet, braucht eine gute Idee, ein gut durchdachtes Konzept und Mut. Katharina Schacht war insgesamt 15 Jahre bei Axel-Springer SE als Personalkoordinatorin tätig, als ihre Abteilung aufgelöst und in andere Bereiche aufgeteilt wurde. Sie entschied sich für die Inplace Transfer GmbH und hat während dieser Zeit ihre Selbständigkeit vorbereitet und umgesetzt. Im Interview erzählt sie, wie die Idee zur Gründung entstand, wie Inplace unterstützt hat und was die größten Herausforderungen waren.

2015 hat das Hamburger Medienunternehmen Axel-Springer SE betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen und Bereiche von Hamburg nach Berlin verlegt. Sie konnten aus persönlichen Gründen damals nicht mit nach Berlin gehen. Wie lange waren Sie dort beschäftigt und was genau haben Sie dort gemacht?

Ich habe in der Abteilung Vertrieb Bildgruppe und Zeitschriften gearbeitet. Diese Abteilung wurde im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen aufgelöst und in andere Bereiche aufgeteilt. Ich war dort in der Verlagsgeschäftsführung als Personalkoordinatorin tätig, zuständig für Personalthemen des Vertriebs. Angefangen habe ich bei Axel Springer als Trainee und war insgesamt 15 Jahre dort.

Sie haben sich für den Wechsel in die Inplace Transfer GmbH entschieden. An welchen Veranstaltungen haben Sie teilgenommen? Was haben Sie aus der Zeit bei Inplace mitgenommen?

Ich konnte aus familiären Gründen nicht nach Berlin und habe mich deshalb für die Inplace Transfer GmbH entschieden. Das war für mich eine sehr gute Lösung: So hatte ich die Zeit, mich mit professioneller Unterstützung neu zu orientieren und fortzubilden. Das empfand ich als echten Luxus. Die Möglichkeiten der Neuorientierung waren vielfältig. Ich war ein Jahr lang bei Inplace und habe interne wie externe Veranstaltungen besucht, angefangen bei den Bewerbungstrainings, dem XING-Profiling über Kommunikations- und Verkaufstrainings bis hin zu einem intensiven Existenzgründungscoaching.

In dem Jahr bei Inplace habe ich meine Qualifikationen für meine Selbstständigkeit erworben: Eine zertifizierte Business-  und Personal Coach Ausbildung, die von Inplace gefördert wurde und eine Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin (MBSR-Lehrerin). Beide Fortbildungen sind die Grundlage meiner heutigen Selbstständigkeit.

Sie sind heute Achtsamkeitstrainerin, Business Coach und Personal Coach. Wie ist die Idee zur Selbständigkeit entstanden?

Ich hatte eigentlich schon immer den Wunsch etwas in Richtung Coaching zu machen. Lange vor Inplace hatte ich selber einen Achtsamkeitskurs besucht, der mir sehr bei der eigenen Stressbewältigung geholfen hat und mich von der Wirksamkeit der MBSR-Methode (Mindfulness-Based Stress Reduction) überzeugte. Während der Zeit im Existenzgründungscoaching konnte ich intensiv reflektieren, Vor- und Nachteile abwägen sowie Schwerpunkte erarbeiten. Dabei war der Blick von außen sehr hilfreich. In dem Existenzgründungscoaching haben wir die Richtung ausgearbeitet, einen Businessplan erstellt und die Formulare zur Beantragung eines Existenzgründungszuschusses bearbeitet.

Wie lang war der Prozess von der Gründung bis hin zur Selbständigkeit? Wie viel Zeit haben Sie in die Vorbereitung Ihrer Gründung investiert?

Ungefähr ein dreiviertel Jahr. Dank der Transfergesellschaft konnte ich die Selbständigkeit ohne Druck, aber zügig vorantreiben. Nach der Inplace-Zeit habe ich noch viel Zeit in die Akquise gesteckt, Werbung gemacht, die Internetseite selber erstellt und bin jetzt ganz frisch seit dem 1. November 2016 Gründerin.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen auf dem Weg in die Selbständigkeit?

Die Unsicherheit und Zweifel, die zwischendurch immer mal wieder aufkamen: Werde ich genügend Kunden haben? Bin ich wirklich für die tägliche Akquise gemacht? Verdiene ich damit genügend Geld? Geholfen hat mir meine eigene Achtsamkeitspraxis. Sie unterstützte mich dabei, einen gelasseneren Umgang mit kritischen Gedanken zu haben, indem ich die Gedanken bewusst als Gedanken wahrnehme, sie nicht gleichsetze mit der Realität. Somit überwältigen sie mich nicht so leicht. Das trägt viel zu meiner inneren Zuversicht bei.

Was genau ist denn Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet, sich bewusst zu werden, was in einem selbst (Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle) und um einen herum in jedem Augenblick tatsächlich geschieht, ohne es zu bewerten. Durch diese Schulung der Selbstbeobachtung wird einem sein eigenes Verhalten klarer. Bezogen auf Stress werden Stressauslöser und die darauf folgende, impulshafte Stressreaktion bewusster wahrgenommen. Dadurch entsteht ein Handlungsspielraum, der es ermöglicht anders zu reagieren.

Wie lange dauerte es, bis Sie den ersten Auftrag hatten?

Ich hatte schon nach zwei Wochen die erste Anfrage für ein Einzelcoaching, welches jetzt gestartet ist. Außerdem liegen schon Buchungen für Achtsamkeitskurse (MBSR-Kurse) bis in den Januar hinein vor. Das Coaching mache ich alleine, die Achtsamkeitskurse gebe ich zusammen mit meiner Kollegin, die ich während der Ausbildung zur MBSR-Lehrerin kennengelernt habe. Wir arbeiten im Team, inspirieren uns gegenseitig. Vor kurzem haben wir an einem Hamburger Gymnasium ein Achtsamkeitstraining durchgeführt. Achtsamkeit in der Schule ist ein sehr aktuelles Thema. Viele Lehrer leiden unter Stress und auch die Schüler sind oft unruhig und stehen unter Leistungsdruck.

Welche Vision, welche Ziele haben Sie mit Ihrem Unternehmen?

Für mich ist es hilfreich, Schritt für Schritt voranzugehen, ein Gespür für die Kunden zu entwickeln und den Bedarf zu erkennen. Es zählt der Weg, auf das zu schauen, was kommt und nicht dem Ziel oder einer Vision hinterher zu laufen.

Wie werben Sie für Ihr Unternehmen?

Ganz wichtig ist hierbei unsere Internetseite http://www.coaching-mbsr-hamburg.de. Für unsere Achtsamkeitskurse werben wir auch mit Flyern, insbesondere bei Ärzten und Einrichtungen zur Gesundheitsförderung. Die Kurse finden überwiegend im Kulturhaus Eppendorf statt, in deren Programm wir aufgenommen wurden. Außerdem machen wir Akquise über unsere Netzwerke XING, Facebook und unseren Newsletter. Ganz entscheidend ist auch die persönliche Empfehlung ehemaliger Klienten.  Hierüber konnte ich bereits erste Kunden gewinnen.

Welche persönlichen Eigenschaften sollte ein Gründer mitbringen?

Selbstvertrauen ist sehr wichtig, ins Machen kommen, zuhören können, die Kunden verstehen. Der Fokus sollte auf den nächsten Schritt gerichtet sein, alles nach dem Motto „Schritt für Schritt“.

Vielen Dank für das Gespräch!