Trennungsmanagement: Problem erkannt, aber noch nicht gebannt

shutterstock_339047696Trennungen gehören zum Unternehmensalltag dazu und dennoch gibt es häufig Probleme, mit diesem Thema offen und konstruktiv umzugehen. Viele Unternehmen haben erkannt, welche Nachteile aus misslungenen Trennungsprozessen entstehen können. Dennoch hapert es an der Umsetzung eines fairen und wertschätzenden Trennungsprozesses. Es fehlen klare Prozesse und Strategien.

Das zeigen auch die Ergebnisse einer aktuellen Kienbaum-Studie, in der 433 Führungskräfte zum Thema „Trennungsmanagement“ befragt wurden. 81 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass ein gelungenes Trennungsmanagement einen positiven Einfluss auf das Engagement und die Motivation der verbleibenden Mitarbeiter hat. Der Flur-Funk könne minimiert und die Kosten reduziert werden. Der Anteil der ungewollten Trennungen ebenso.

70 Prozent gaben an, dass ein professionelles Trennungsmanagement sich zudem positiv auf das Employer Branding auswirke, denn fair behandelte Mitarbeiter werden keine kritischen Kommentare in sozialen Netzwerken wie kununu.com oder glassdoor.com anonym veröffentlichen.

Professionelle Trennungen haben auch einen positiven Effekt auf die gesamte Geschäftsentwicklung, so 70 Prozent der Befragten. Denn gekündigte Führungskräfte können zukünftige Kunden des Unternehmens sein. Immerhin ein Viertel aller Befragten sagte aus, dass Fach- und Führungskräfte, von denen sie sich getrennt haben, in einigen Jahren auch wieder interessante Kandidaten für eine Einstellung sein könnten.

Die Notwendigkeit einer fairen Trennungskultur scheint also klar zu sein. Doch klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Denn trotz dieses Wissens gaben 70 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass ihr Unternehmen weder über eine Trennungskultur noch über –strategien oder – prozesse verfüge. Zwei Drittel aller befragten Manager gaben zudem an, dass Führungskräfte nicht auf diese Aufgaben vorbereitet werden.

Bei der Frage nach den wichtigsten Faktoren in einem Trennungsprozess steht bei den Führungskräften Fairness an erster Stelle. Unter den Top-10-Antworten landen „Soft-Facts“ wie Eröffnung von Zukunftsperspektiven, Unterstützung bei der Neuorientierung, eine klare Kommunikation, Wertschätzung, Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz und das Suchen einer akzeptablen Lösung für beide Seiten. „Hard Facts“ wie Abfindungen, klare vertragliche Vereinbarungen, psychologische Beratung und Mediation landen hingegen auf den hinteren Rängen. Das ist insofern interessant, da doch eher die „Hard facts“ in Trennungsgesprächen im Fokus stehen.

Bei der Trennung von Führungskräften greift mehr als die Hälfte aller Unternehmen auf die Unterstützung von externen Beratern zurück. Dabei gilt: je größer das Unternehmen ist, desto eher wird eine externe Unterstützung genutzt. Die am häufigsten genutzte Art der externen Unterstützung ist dabei die Out-bzw. NewPlacement-Beratung. Danach folgt die rechtliche Beratung, knapp ein Viertel setzt auf externe Coachings. Auf wenig Interesse stößt hingegen die strategische Beratung.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die Out-bzw. NewPlacement-Beratung als Standard-Element bei Trennungen durchgesetzt hat, und dennoch bieten nur 12 Prozent der Unternehmen ihren Fach- und Führungskräften, von denen sie sich trennen, immer eine NewPlacement-Beratung an. Zumeist wird diese nur im Einzelfall oder auf Nachfrage angeboten.

Die Unternehmen, so die Studie, würden bei der Ausgestaltung ihrer Trennungspakete viel Potenzial für eine schnelle und gütige Einigung verschenken. Gerade der Zeitpunkt der NewPlacement-Beratung sei in vielen Fällen zu spät. Viel zu häufig werde NewPlacement-Beratung erst nach der Unterschrift unter den Aufhebungsvertrag angeboten und nicht im Sinne einer Perspektivenberatung vor der Unterzeichnung. Auch das verhindere eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Findet hingegen eine NewPlacement-Beratung vor der Trennung statt, minimiert dies Trennungsrisiken und die Motivation und Produktivität der verbleibenden Mitarbeiter kann erhalten werden.

Auch bei der Vorbereitung auf das Trennungsgespräch werden Chancen vertan. 66 Prozent der Führungskräfte erhalten keine Schulung oder Hilfestellungen, wie das schwierige Gespräch zu führen ist. Viele Unternehmen würden voraussetzen, dass Führungskräfte das können, es sei schließlich eine ihrer Kernaufgaben. Gerade gescheiterte Trennungsgespräche können aber fatale Folgen für das Unternehmen haben. Der betroffene Mitarbeiter verliert nicht nur seinen Arbeitsplatz, sondern ist emotional schwer belastet. Die verbleibenden Mitarbeiter beschäftigen sich mit der missglückten Trennung und verlieren ihr Engagement und ihre Motivation. Aber auch Kundenbeziehungen und die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern können unter unprofessionell geführten Trennungen leiden.

Die Studie zeigt, dass sich doch immer mehr Unternehmen mit dem Thema Trennungsprozesse beschäftigen. Viele haben mittlerweile erkannt, dass ein wertschätzendes und gut strukturiertes Trennungsmanagement sich positiv nach innen und nach außen auswirkt. Eine glaubwürdige und klare Unternehmenskultur braucht allerdings auch Strategien und Prozesse für ein professionelles Trennungsmanagement. Das Ziel muss sein, eine Win-Win-Situation für beide Seiten zu schaffen, d.h. nachhaltig die optimale Lösung für alle zu finden.