Serie Weiterbildung digital (Teil 2): Massive Open Online Courses (MOOCs) – die neue Art des Lernens

shutterstock_488595124Das Internet verändert unsere Art zu Lernen. Dank Videoplattformen und Streamingtechnologien können wir unser Wissen online erweitern. Wer einen Kurs auf Universitätsniveau wie z.B. in Harvard, Stanford oder Oxford absolvieren möchte, kann dies dank MOOCs ohne Zulassungsprüfung tun. Die Abkürzung MOOC steht für Massive Open Online Course: kostenlose Online-Kurse von Universitäten für Studenten und andere Wissensdurstige. Alles was man braucht, ist ein Rechner mit Internetzugang und Lust am Lernen.

Im Gegensatz zu reinen Online-Vorlesungen funktionieren MOOCs wie eine richtige Lehrveranstaltung. Der Kurs beginnt zu einem bestimmten Zeitpunkt, läuft meist mehrere Wochen und endet zu einem festgelegten Termin.

MOOCs bestehen in der Regel aus kurzen Videosequenzen von meist fünf bis zehn Minuten, Skripten und interaktiven Elementen, die von einem oder mehreren Dozenten moderiert werden. Dazu gibt es die Möglichkeit, sich in Diskussionsforen mit anderen Teilnehmern aus aller Welt auszutauschen, Fragen zu stellen oder auch die Fragen der anderen zu diskutieren. Die meisten Kurse enden mit einer Abschlussprüfung. Die Kurse werden von Hochschulen, Dozenten und Bildungseinrichtungen produziert. Der Aufwand für einen MOOC beträgt in der Regel zwischen zwei und zehn Stunden pro Woche. Die Kurse mit Teilnahmebestätigung sind fast immer gratis, Zertifikate hingegen kosten Geld.

Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten MOOCs vor.

Coursera

Coursera ist die größte globale MOOC-Plattform mit 26 Mio. Lernenden weltweit und 150 Partneruniversitäten aus rund 19 Ländern, größtenteils aus den USA. Das  Angebot umfasst über 2000 Kurse, die überwiegend in Englisch abgehalten werden.

Der Schwerpunkt des Kursangebotes liegt auf Informatik / Programmierung sowie wirtschaftlichen Themen. Die Plattform bietet aber auch Kurse in den Bereichen Naturwissenschaften, Medizin, Geisteswissenschaften bis hin zu kulturellen Angeboten.

https://www.coursera.org/

edx.org

Die Non-Profit-Organisation edX ist ein Projekt der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Auch Unternehmen wie Microsoft und Amnesty International bieten hier Lehrangebote an. Die Kurse werden in englischer Sprache angeboten. Mittlerweile lernen hier mehr als elf Millionen Teilnehmer. Das Kursangebot ist sehr vielfältig, rund 100 Universitäten (darunter auch die Tech­nische Universität München) bieten mehr als 1000 Kursangebote aus 30 Kategorien wie Architektur, Chemie, Design, Elektronik bis hin zu Recht und Musik. Die Kurse sind kostenfrei, für die Ausstellung von Zertifikaten wird ein Entgelt erhoben.

https://www.edx.org/

openHPI

openHPI ist eine interaktive Bildungsplattform des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) und hat sich auf IT-Kurse spezialisiert. Das Angebot ist recht umfangreich und reicht von Grundlagen der Informatik, der Funktionsweise von Internet, dem Aufbau von Datenbanken bis hin zu digitalen Technologien. Andere Kurse richten sich eher an ein Fachpublikum, das sich mit aktuellen Innovationen der Informatik-Forschung beschäftigen will, wie z.B. In-Memory Datenmanagement, das semantische Web oder Multicore und Cloud Computing. Auch Workshops zum Erlernen von Programmiersprachen wie Java oder Python werden angeboten. Kurssprachen sind Deutsch und Englisch. Es gibt Lehr-Videos, Texte, Selbsttests, regelmäßige Hausaufgaben und Prüfungsaufgaben. Kombiniert sind die Angebote mit einem Forum, in dem sich die Teilnehmer mit den Dozenten und anderen Teilnehmern austauschen, Fragen klären und weiterführende Themen diskutieren können. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos.

https://open.hpi.de/?locale=de

Udacity

Die Online-Lernplattform Udacity, die vom deutschen Stanford-Professor Sebastian Thrun gegründet wurde, setzt vor allem auf bezahlte Aus- und Weiterbildungskurse für die IT-Industrie. Das Kursangebot umfasst technisches Know-how wie Programmieren für Anfänger, Entwicklung von Apps, Websites bauen oder Künstliche Intelligenz lernen. Ein Großteil der Kursangebote ist kostenlos. Auch Unternehmen wie Google, Facebook, Daimler oder Bosch bieten Lehrinhalte an.

Für Bezahlkurse (ca. 200 Euro pro Monat), die von Tutoren betreut werden, hat Udacity einen eigenen Abschluss kreiert, genannt Nanodegree. Wer sein Nanodegree-Programm in weniger als 12 Monaten abschließt, erhält 50 Prozent der Kursgebühren zurück.

https://www.udacity.com/

iversity

iversity.org ist eine deutsche Plattform für Online-Kurse die in Zusammenarbeit mit Universitäten und Unternehmen angeboten werden. Viele Kurse werden auf Deutsch angeboten. Das Angebot reicht von Medizin über Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Physik bis hin zu Jura, Design und Philosophie. Die Teilnahme an den Kursen ist kostenlos. In einigen der MOOCs können Kursteilnehmer mit einer Präsenzprüfung abschließen und  Leistungspunkte nach dem ECTS-System (European Credit Transfer and Accumulation System) erwerben. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Seit 2015 bietet iversity auch digitale Weiterbildungskurse für Unternehmen an, die zum Teil maßgeschneidert für die Kunden entwickelt werden.

https://iversity.org/de

FutureLearn

FutureLearn, eine britische Lernplattform, ist eine  Initiative der Open University in Partnerschaft mit über 23 führenden Universitäten, dem British Council, British Museum und der British Library. Das Kursangebot umfasst 13 Kategorien und variiert inhaltlich von Wissenschaft & Technik über Kunst & Kultur, bis hin zu den Bereichen Körper & Geist oder Business & Management. Die Kurse sind kostenfrei und werden in englischer Sprache unterrichtet.

https://www.futurelearn.com/

Open Course World

Die Online-Plattform Open Course World wird von der IMC Information Multimedia Communication AG angeboten, die eng mit deutschen Hochschulen wie der Universität des Saarlandes, der TU München und der Universität Hamburg-Harburg zusammenarbeitet. Die Lehrangebote sind kostenfrei. Nach erfolgreichem Bestehen des Kurses kann ein Zertifikat kostenpflichtig erworben werden. Sie finden hier ein kleines Kursrepertoire zu Themen wie Zeitmanagement, Führungstechniken, IT-Sicherheit, Gesundheitsmanagement und Business Process Management.

http://opencourseworld.de/

Udemy

Udemy ist ein Online-Marktplatz zum Lernen und Unterrichten mit über 55.000 Kursen und 17 Millionen Teilnehmern. Im Gegensatz zu anderen MOOC-Anbietern kooperiert Udemy nicht klassisch mit Universitäten, sondern bietet Dozenten die Möglichkeit, Kurse zu verschiedenen Themen anzubieten. Es stehen dort vielfältige Kurse aus den Bereichen Programmieren, Wirtschaft, IT & Software, Fotografie, Design und weiteren 10 Kategorien zur Verfügung. Die Unterrichtssprache ist überwiegend Englisch, ist gibt aber auch ein großes Angebot deutschsprachiger Kurse. Die Kurse sind zum Teil gratis, zum Teil kostenpflichtig. Zertifikate gibt es nicht. Jeder kann dort Kurse anbieten und damit Geld verdienen.

https://www.udemy.com/

Fazit: MOOCs bieten vielfältige Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln und seinen persönlichen Interessen nachzugehen. Sie können für jeden Einzelnen, aber auch für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter qualifizieren wollen, ein wichtiger Teil der Weiterbildungsstrategie sein.

Erfahren Sie in Teil 3 unserer Serie „Weiterbildung digital“ mehr über „Blended Learning“. Was ist „Blended Learning“, welche Modelle gibt es und was sind die Vor- und Nachteile?