Berufliche Umorientierung – Karsten Kiehl im Interview

Foto_Karsten_KiehlLieber Karsten, Du warst als Mediengestalter bei der Bergedorfer Zeitung beschäftig. 2016 wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Du warst auch davon betroffen. Wie lange warst Du dort beschäftigt und was genau waren Deine Aufgaben?

Mitte 2010 bin ich von der Axel Springer SE in Berlin zur damaligen Tochtergesellschaft, der Bergedorfer Zeitung in Hamburg gewechselt. In Berlin habe ich etwa eineinhalb Jahre gearbeitet, davor bei BILD Hamburg Anzeigen. Bei der Bergedorfer Zeitung lag der Schwerpunkt in der Anzeigenproduktion. Ich habe mich außerdem um Sonderveröffentlichungen und Magazinlayouts gekümmert und gehörte zum Team “Online-Anzeigen”.

Im Juni 2016 hast Du Dich für den Wechsel in die Inplace Transfer GmbH entschieden. An welchen Veranstaltungen hast Du teilgenommen?

Ich habe an den Bewerbungs-Trainings und dem Orientierungs-Workshop teilgenommen. Unsere Gruppe hat sich monatlich getroffen und ausgetauscht. Mit Camilla habe ich an zwei Terminen meine Bewerbungsunterlagen überarbeitet.

Wie hast Du die Beratung erlebt, was hat Dir besonders geholfen?

Eine Riesen-Erleichterung war bei dem Wechsel zu Inplace erst einmal, dass mir die Korrespondenz mit der Arbeitsagentur abgenommen wurde. Die Workshops haben richtig Spaß gemacht und ich hatte die Gelegenheit, meine (ehemaligen) Kollegen noch einmal von einer anderen Seite kennen zu lernen. Das Bewerbungsgespräch-Training mit Caren war intensiv und anstrengend, aber ich habe da enorm viel mitgenommen. Ich habe viel über meine Stärken im Gespräch gelernt und konnte das in späteren Bewerbungsgesprächen nutzen. Sehr wichtig war auch, mit Camilla an meinen Bewerbungsunterlagen zu arbeiten. Als wir fertig waren, hatte ich das Gefühl, dass Struktur und Texte wirklich “fertig” waren.

Wie viele Bewerbungen hast Du in dieser Zeit geschrieben?

Ich habe insgesamt 34 Bewerbungen geschrieben. Daraus haben sich vier Bewerbungsgespräche entwickelt. Bei drei Firmen hatte ich ein zweites Gespräch, das lief alles innerhalb weniger Tage. Als ich mich für die Elbe Werkstätten entschieden habe, habe ich den beiden anderen Firmen abgesagt, obwohl ich auch dort die Aufgaben sehr interessant und herausfordernd fand. Mein Eindruck war, dass die Neugestaltung meiner eigenen Website für die Resonanz auf meine Bewerbung ziemlich wichtig war. Als Mediengestalter halte ich einen eigenen Webauftritt für sehr wichtig.

Im März 2017 hast Du bei den Elbewerkstätten als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung angefangen. Was machst Du dort genau und welche Perspektiven gibt es für Dich?

Auch bei den Elbe Werkstätten habe ich mich auf eine Stelle als Mediengestalter beworben. Ich betreue Arbeitsgruppen von Menschen mit Behinderung in vier “Außengruppen”. Ich vertrete die Gruppenleiter im Falle von Urlaub, Krankheit oder Fortbildungen. Meine Qualifikation als Mediengestalter ist von Bedeutung, da eine Gruppe in der Digitaldruckerei der Elbe Werkstätten arbeitet und eine in einem Copyshop. Es geht also im weitesten Sinne um Drucktechnik. Dann habe ich noch eine Gruppe, die in einem Hotel den Zimmerservice macht und eine, die im Teilelager von VW in Norderstedt arbeitet. Die Teilnehmer werden in den Arbeitsfeldern je nach ihren Fähigkeiten eingesetzt. Wenn ich vertrete, habe ich dort “den Hut auf”, das heißt, ich bin verantwortlich dafür, dass die Aufträge termingerecht und zuverlässig ausgeführt werden, ich schreite bei Konflikten ein und ich bin für die Teilnehmer Ansprechpartner in allen Problemlagen.

Momentan betreue ich mit einem Kollegen zusammen eine fünfte Gruppe. Mein Wunsch ist es, im nächsten Jahr in Teilzeit zu arbeiten und mich wieder mehr um mein Studium zu kümmern. Mein Chef möchte mich gerne bei den Elbe Werkstätten halten und ich werde diese Möglichkeit wohl nutzen können. Alternativ zum Studium könnte ich auch eine einjährige Sonderpädagogische Zusatz-Ausbildung machen, die für den Bereich berufsqualifizierend ist. Aber noch habe ich vor, meinen Bachelor in „Sozialer Arbeit“ zu machen. Freiberuflich arbeite ich noch in geringem Umfang als Mediengestalter.

Wie kam es zu der beruflichen Umorientierung in den sozialen Bereich? Was war der Auslöser?

Nachdem ich vor etwa vier Jahren eine Klassenreise meines Sohnes begleitet habe, hatte ich mehr und mehr den Wunsch im sozialen Bereich zu arbeiten. Aber erst 2016 habe ich ernsthaft begonnen, den Wunsch zu realisieren. Dass ich im März 2017 dann schon studieren würde und eine Anstellung in einer sozialen Einrichtung habe, hätte ich auch nicht gedacht.

Welche Themen behandelt der Studiengang „Soziale Arbeit“ und welche beruflichen Perspektiven bieten sich anschließend?

Mit dem Bachelor „Soziale Arbeit / Sozialpädagogik“ habe ich eine Menge berufliche Möglichkeiten. Es gibt die “Klassiker” wie z.B. Kinder- und Jugendhilfe, Kita-Leitung, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit, Suchtberatung, Strafvollzug und Jugendamt. Auch die Elbe Werkstätten haben einen sozialpädagogischen Dienst. Ein Gastdozent der Sozialpädagogik z.B. bietet mit seiner Firma auch Teamtrainings für Firmen an.

Was hast Du aus der Zeit bei Inplace mitgenommen?

In der Zeit bei Inplace ist leider auch in meinem Privatleben einiges schief gelaufen. Im Herbst 2016 wusste ich eigentlich in jeder Hinsicht nicht mehr, wie es weitergeht. Die Unterstützung bei Bürokratie, Jobsuche und dem Studienbeginn hat mir geholfen und mir den Rücken freigehalten, mich um persönliche Krisen zu kümmern. Jetzt, Ende 2017, fühle ich mich deutlich stärker und in der Lage den kommenden Herausforderungen des Lebens zu begegnen. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal ganz besonders bei Camilla, Deniz, Caren und Uta für Geduld und Unterstützung bedanken.

Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit!