Interview: Der Quereinstieg – von der Mediengestalterin zur Erzieherin

Astrid_BrakerLiebe Astrid, Du warst als Mediengestalterin bei der Bergedorfer Zeitung beschäftigt. 2016 wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Du warst auch davon betroffen. Wie lange warst Du dort beschäftigt und was genau waren Deine Aufgaben?

Ich war mehr als 12 Jahre bei der Bergedorfer Zeitung beschäftigt und habe dort vielfältige Aufgaben übernommen. Ich war in der Druckvorstufe, habe Anzeigen und Seiten für die Tages- und Wochenpresse gestaltet, Vorlagen und Layoute erstellt. Außerdem war ich für die Qualitätskontrolle verantwortlich, hatte engen Kundenkontakt und habe zwischenzeitlich auch Sachbearbeitungsaufgaben wie Reklamationen, Bearbeitung von Abonnements und Rechnungsstellungen übernommen. In meiner gesamten Arbeitszeit bei der Bergedorfer Zeitung war ich in Teilzeit angestellt.

Im August 2016 hast Du Dich für den Wechsel in die Inplace Transfer GmbH entschieden. An welchen Veranstaltungen hast Du teilgenommen?

Ich habe am Orientierungsworkshop und an allen Bewerbungstrainings teilgenommen. Zudem habe ich Kurse zu Grafikprogrammen, Word und Excel besucht. Ich war auch regelmäßig bei den Englischkursen, die mir sehr viel Spaß gemacht haben. Mir war es wichtig, dass ich insgesamt meine Kenntnisse auffrischen und ein Zertifikat in der Hand halten kann.

Wie hast Du die Beratung erlebt, was hat Dir besonders geholfen?

Bei Inplace wurde ich immer freundlich und herzlich empfangen. Alle waren hilfsbereit und hatten ein offenes Ohr für meine Fragen und Sorgen. Ich fühlte mich gut verstanden, gerade wenn ich meine Zweifel hatte und unsicher war.

Du hast Dich für eine Ausbildung zur Erzieherin entschieden. Wie kam es zu der beruflichen Umorientierung? Was war der Auslöser?

Ich habe in der Schule meiner Kinder Flüchtlingen geholfen. Dieser Kontakt hat mir gezeigt, dass ich gerne mit Menschen zusammenarbeiten möchte. Der Weg mit Flüchtlingen zu arbeiten, erwies sich aber als ziemlich schwierig, da mir die dazu notwendigen Sprach- und sozialpädagogischen Kenntnisse fehlten. Camilla machte mich dann letztendlich auf eine Anzeige des BHH Sozialkontor aufmerksam, in der Unterstützung in der Hortbetreuung für Kinder mit Förderbedarf bzw. für Schulkinder mit Behinderung  gesucht wurde. Ich bewarb mich und absolvierte dort ein zweiwöchiges Praktikum. Diese Arbeit mit Kindern hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch nach dem Praktikum dort ein paar Stunden in der Woche als Aushilfe tätig war. In dieser Zeit ist der Entschluss gereift, eine Ausbildung als Erzieherin zu machen. Ein Studium wäre auch möglich gewesen, aber dazu fehlte mir einfach der Mut.

Wie gelang der Quereinstieg und wo bist Du jetzt tätig?

Der Quereinstieg gestaltete sich ziemlich kompliziert. Letztendlich bin ich über KinderWege gGmbH, ein Modellprojektträger in Lübeck, in das Bundesmodellprojekt ESF „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ gekommen. Diese Ausbildung führt in Vollzeit innerhalb von drei Jahren zum Abschluss als vollqualifizierte staatlich anerkannte Erzieherin. Ich arbeite drei Tage in der Kita Todendorf nahe Bargteheide und bin zwei Tage in der Berufsschule in Mölln.

Wie fühlt es sich an, einen komplett neuen Beruf zu erlernen?

Es ist ein bisschen wie Achterbahn fahren. Ich bin einfach froh, dass alles so geklappt hat. Am Anfang habe ich die Routine vermisst, die mir in meinem alten Beruf manchmal schon langweilig war. So ziemlich alles war neu. Es gibt Tage, da zweifelt man an sich. Da helfen mir mein privater Rückhalt, die Gespräche mit meiner Anleiterin und den Kollegen aus der Kita sowie Mitschülern und Lehrern. Die Berufsschule gefällt mir sehr gut, es ist schön, neue Menschen kennenzulernen und Visionen denken zu dürfen. Der Kindergarten mit seinem Team steht mir immer unterstützend zur Seite und lässt mich selbstständig praktische Erfahrungen sammeln. Dabei lerne ich auch aus Fehlern meine Erfahrungen zu machen.

Was macht Dir am meisten Spaß an der Ausbildung und was sind die größten Herausforderungen?

Die Kinder sind die größte Freude, aber auch eine große Herausforderung. Jedes Kind ist einzigartig und entwickelt sich unterschiedlich. Am meisten Freude bereitet mir, dass ich sie in ihrer Entwicklung fördern und ihre Stärken herausarbeiten darf. Eine weitere Herausforderung ist die Umstellung von Teilzeit auf Vollzeit. Außerdem fällt mir das Lernen deutlich schwerer als früher.

Was würdest Du denen empfehlen, die sich beruflich neu orientieren möchten? Worauf sollten Sie besonders achten?

Sich nicht zu sehr auf ein Ziel festlegen, sondern immer die Augen offen halten, auch links und rechts schauen. Sich nicht zu sehr auf eine Idee zu fokussieren. Manchmal ist es auch gut, sich einfach von seinen Vorstellungen treiben zu lassen und auch ungeplante Wege auszuprobieren. Dafür eignet sich die Zeit in der Transfergesellschaft sehr gut, da man sich in einer finanziell gut gesicherten Lage befindet und so ohne Risiko, Neues austesten kann.

Was hast Du aus der Zeit bei Inplace mitgenommen?

Ich habe gelernt, etwas gelassener zu werden, zu vertrauen und Geduld zu haben. Wichtig war auch, dass ich das Gefühl hatte, nicht alleine zu sein. Der Austausch bei Inplace war sehr intensiv und bereichernd.

Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit!