Online-Spiel statt Anschreiben und Lebenslauf

Statt Anschreiben und Lebenslauf setzen einige Unternehmen auf die Möglichkeit, mithilfe von Computerspielen den richtigen Kandidaten für ihr Unternehmen zu finden. Diese Programme kombinieren auf spielerische Art und Weise Wissenstest, Assessment-Center und jobspezifische Prüfungen miteinander. Sie analysieren das Spielverhalten der Bewerber und leiten daraus Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten ab. Künstliche Intelligenz entscheidet darüber, welcher Kandidat zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird.

Firmen wie LinkedIn, Accenture, Unilever und Tesla testen bereits das Bewerbungstool des amerikanischen Unternehmens, Pymetrics, mit Erfolg.

Laut Pymetrics basieren die Ergebnisse aus den kurzen Entscheidungsspielen auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und lassen Rückschlüsse auf circa 90 Eigenschaften wie Kreativität, Flexibilität, Ausdauer, Entscheidungsfreude, Anpassungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Reaktionsgeschwindigkeit, Lernen aus Fehlern zu. Die Software dahinter ist also viel mehr als ein nettes Online-Spiel, es handelt sich hier um zwölf ausgeklügelte Persönlichkeitstests.

Nach circa 25 Minuten und zwölf Spielen wählt der Computer aus, wer im Bewerbungsprozess weiterkommt. Der Kandidat muss aber nicht alle Spiele auf einmal spielen, er hat 7 Tage Zeit. Das Programm speichert nach jedem Spiel automatisch die Ergebnisse, so dass der User zu einem späteren Zeitpunkt weiterspielen kann. Hat der Kandidat alle Spiele absolviert, wählt das Programm aus, wer im nächsten Schritt ein Videointerview durchläuft. Auch hier analysiert ein Programm das Gespräch, die Tonlage und ob bestimmte Schlüsselwörter fallen. Erst nach dieser Auswahl folgt die Einladung zu einem persönlichen Gespräch.

Das Tool ist in 13 verschiedenen Sprachen verfügbar, aber noch nicht auf Deutsch.

Fazit: Online-Spiele sind ein attraktives Element im Bewerbungsverfahren, gerade für die heißbegehrte junge und spielaffine Generation. Ob ein Spiel jobrelevante Erfahrungen und Kompetenzen messen kann, ist fraglich. Ein Problem ist sicherlich, dass man sich nicht immer sicher sein kann, ob Kandidaten das Spiel selbst absolviert haben oder jemand anderes. Auch Menschenkenntnis und Urteilskraft können Online-Spiele nicht abdecken. Aber auch am Ende dieses Bewerbungsprozesses ist es doch ein Mensch, der die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten trifft.